Circle of Influence: Konzentriere deine Energie auf das, was du verändern kannst

Es gibt Situationen, in denen wir uns machtlos fühlen: Entscheidungen im Unternehmen, das Verhalten anderer Menschen, wirtschaftliche Entwicklungen oder Konflikte, die wir nicht allein lösen können. Unsere Gedanken kreisen um das Problem – doch eine wirkliche Veränderung tritt nicht ein.

Das Modell des „Circle of Influence“ hilft dabei, die eigene Aufmerksamkeit neu auszurichten. Es unterscheidet drei Bereiche: Kontrolle, Einfluss und Akzeptanz. Diese Einteilung schafft Klarheit und zeigt, wo sich unser Einsatz tatsächlich lohnt.

Drei Kreise für mehr Klarheit

1. Der Kreis der Kontrolle

Im innersten Kreis befindet sich alles, was du unmittelbar steuern kannst. Dazu gehören beispielsweise:

  • deine Entscheidungen
  • dein Verhalten
  • deine Kommunikation
  • deine Vorbereitung
  • deine Prioritäten
  • deine persönliche Haltung

Du kannst nicht kontrollieren, wie dein Gegenüber auf eine Aussage reagiert. Du kannst jedoch entscheiden, wie klar und respektvoll du dich ausdrückst. Du kannst nicht verhindern, dass etwas Unvorhergesehenes passiert. Du kannst aber beeinflussen, wie du damit umgehst.

Dieser Kreis ist der Ausgangspunkt für Selbstwirksamkeit: Was kann ich jetzt konkret tun?

2. Der Kreis des Einflusses

Im zweiten Kreis liegen Themen, die du nicht direkt kontrollieren, aber möglicherweise beeinflussen kannst.

Du kannst beispielsweise nicht allein über die Strategie eines Unternehmens entscheiden. Du kannst jedoch Argumente einbringen, Fragen stellen, Verbündete gewinnen oder einen konstruktiven Vorschlag entwickeln.

Einfluss bedeutet nicht, dass das gewünschte Ergebnis garantiert eintritt. Es bedeutet, die eigenen Handlungsmöglichkeiten bewusst zu nutzen.

Hilfreiche Fragen sind:

  • Mit wem sollte ich sprechen?
  • Welche Informationen oder Argumente könnten etwas verändern?
  • Was kann ich anbieten?
  • Welche kleine Handlung könnte Bewegung in die Situation bringen?
  • Wie kann ich meine Chancen auf ein gutes Ergebnis erhöhen?

Wer seinen Einfluss nutzen möchte, braucht häufig Geduld. Manche Veränderungen entstehen nicht durch eine große Entscheidung, sondern durch viele kleine Impulse.

3. Der Kreis der Akzeptanz

Im äußeren Kreis befinden sich Dinge, die du weder kontrollieren noch sinnvoll beeinflussen kannst. Dazu zählen zum Beispiel Entscheidungen, die bereits gefallen sind, das Verhalten anderer Menschen oder Ereignisse aus der Vergangenheit.

Akzeptanz bedeutet dabei nicht, etwas gutzuheißen. Es bedeutet, anzuerkennen, dass eine Situation im Moment so ist, wie sie ist.

Das kann schwerfallen. Gleichzeitig bindet der Kampf gegen Unveränderliches viel Kraft. Diese Energie fehlt anschließend dort, wo wir tatsächlich etwas bewirken könnten.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Was brauche ich, um mit dieser Realität gut umzugehen?

Vielleicht geht es darum, eine Grenze zu setzen, Unterstützung zu suchen, die eigene Haltung zu verändern oder eine Konsequenz zu ziehen.

Ein Beispiel aus dem Berufsalltag

Stell dir vor, in deinem Unternehmen wird eine Entscheidung getroffen, mit der du nicht einverstanden bist.

Du kannst die Entscheidung möglicherweise nicht selbst kontrollieren. Vielleicht kannst du sie aber beeinflussen, indem du deine Bedenken sachlich erläuterst, Alternativen aufzeigst oder das Gespräch mit den Verantwortlichen suchst.

Bleibt die Entscheidung trotzdem bestehen, beginnt der Bereich der Akzeptanz. Dann kannst du weiterhin selbst bestimmen, wie du damit umgehst: Trägst du die Entscheidung mit? Suchst du nach Gestaltungsspielräumen? Oder stellst du fest, dass daraus eine persönliche Konsequenz entstehen muss?

So führt die Betrachtung der drei Kreise weg vom Gefühl der Hilflosigkeit und hin zu konkreten Handlungsmöglichkeiten.

Warum wir uns häufig mit dem falschen Kreis beschäftigen

Unser Gehirn richtet seine Aufmerksamkeit besonders stark auf Unsicherheiten, Gefahren und offene Probleme. Deshalb grübeln wir häufig über Dinge nach, die außerhalb unseres Einflusses liegen.

Typische Gedanken sind:

  • „Warum verhält sich die andere Person so?“
  • „Was ist, wenn alles schiefgeht?“
  • „Das hätte niemals passieren dürfen.“
  • „Die anderen müssten sich endlich ändern.“

Diese Gedanken sind verständlich, führen aber selten weiter. Eine hilfreichere Perspektive beginnt mit der Frage:

Liegt dieses Thema in meiner Kontrolle, in meinem Einfluss oder in meiner Akzeptanz?

Allein diese Einordnung kann entlasten.

Eine kurze Übung für den Alltag

Nimm ein Blatt Papier und zeichne drei Kreise ineinander. Beschrifte sie mit:

  1. Kontrolle
  2. Einfluss
  3. Akzeptanz

Notiere anschließend alle Aspekte der Situation, die dich gerade beschäftigen, und ordne sie einem der drei Kreise zu.

Betrachte danach besonders den inneren Kreis:

  • Was liegt wirklich in meiner Hand?
  • Was ist der kleinste sinnvolle nächste Schritt?
  • Wann werde ich ihn umsetzen?

Prüfe anschließend den Kreis des Einflusses:

  • Wo lohnt sich ein Versuch?
  • Wen kann ich einbeziehen?
  • Wie viel Energie möchte ich investieren?

Schließe mit dem äußeren Kreis:

  • Was darf ich loslassen?
  • Was muss ich als Realität anerkennen?
  • Wie kann ich trotzdem gut für mich sorgen?

Selbstwirksamkeit beginnt im inneren Kreis

Der Circle of Influence verspricht keine vollständige Kontrolle über das Leben. Er hilft vielmehr dabei, die eigene Energie gezielter einzusetzen.

Je häufiger wir uns auf unsere tatsächlichen Handlungsmöglichkeiten konzentrieren, desto stärker erleben wir uns als selbstwirksam. Wir übernehmen Verantwortung für das, was wir gestalten können – und lernen gleichzeitig, unsere Kräfte nicht dauerhaft im Kampf gegen Unveränderliches aufzureiben.

Manchmal lässt sich dadurch sogar der eigene Einflussbereich erweitern: Wer klar kommuniziert, zuverlässig handelt und bewusst Beziehungen gestaltet, gewinnt häufig zusätzliche Handlungsmöglichkeiten.

Die wichtigste Frage lautet daher nicht: „Warum ist die Situation so?“

Sondern:

Was kann ich jetzt kontrollieren, was kann ich beeinflussen – und was darf ich akzeptieren?

Wenn du merkst, dass du dich bei einem beruflichen oder persönlichen Thema immer wieder im Kreis drehst, kann ein Coaching dabei helfen, die Situation zu sortieren, neue Perspektiven zu entwickeln und einen konkreten nächsten Schritt zu finden.

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